Sozialisation und Gewalttätigkeit,  Psyche und Gesellschaft

Gruen, Arno (2013):

Dem Leben entfremdet. Warum wir wieder lernen müssen zu empfinden, Stuttgart:  Klett-Cotta

(Der Psychologe, Psychoanalytiker Arno Gruen entwickelt eine fundamentale Kritik an der bestehenden Zivilisation, die auf abstraktem Denken beruht und das grundlegende empathische Bewusstsein des Menschen verleugnet. Arno Gruen, 1921 geboren, jüdisch, floh 1936 mit seiner Familie in die USA. Sein Lebenswerk befasst sich u.a. damit, wie Macht und Destruktion an die Stelle verleugneter Hilflosigkeits- und Ohnmachtserfahrungen in der Kindheit tritt, wenn die dem Menschen angeborene Fähigkeit zu Kommunikation und Empathie nicht entwickelt werden kann.)

deMause, Lloyd (1989):

Grundlagen der Psychohistorie, Frankfurt am Main: Suhrkamp

deMause, Lloyd (2005):

Das emotionale Leben der Nationen, Klagenfurt: Drava

(Der US-amerikanische Sozialwissenschaftler und Psychoanalytiker Lloyd de Mause, geboren 1931, publiziert dazu, wie die menschliche Psyche sich als Ergebnis von Kindererziehungspraktiken im Laufe der Geschichte verändert. Er geht davon aus, dass jeweils veränderte Kindheiten einen historischen Prozess in Gang setzen. Dabei legt er seiner Psychohistorie ein evolutives Konzept zu Grunde im Sinne einer Veränderung von einem mehr hin zu einem weniger gewalttätigen Umgehen der Eltern mit den Kindern.)

Miller, Alice (1983):

Das Drama des begabten Kindes und die Suche nach dem wahren Selbst, Frankfurt a.M.: Suhrkamp

(Alice Miller, 1923 in einer jüdischen Familie in Polen geboren, verließ 1940 mit einem gefälschten Personalausweis das Warschauer Getto, überlebte mit falscher Identität in Warschau, studierte und lebte nach dem Krieg in der Schweiz. Nach ihrer in „Das Drama des begabten Kindes“ und weiteren Publikationen dargestellten Auffassung sind elterliche psychische Einflüsse oft die Ursache psychosomatischer und psychischer Krankheiten auch im Erwachsenenalter, die dann, wenn sie nicht aufgearbeitet sind, an die Umwelt weitergegeben werden – auch im gesellschaftlichen Maßstab – also z.B. beim Politikmachen).

Pilgrim, Volker Elis (1991):

Müttersöhne, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt

Pilgrim, Volker Elis (1993):

Vatersöhne, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt

(Volker Elis Pilgrim, 1942 geboren, in der ehemaligen DDR aufgewachsen, 1960 in den Westen geflohen, Pionier der Männerbewegung, ging in seinen Publikationen Müttersöhne und Vätersöhne v.a. der Frage nach, wie die elterliche Behandlung die Psyche ihrer Kinder prägt und dabei bestimmte Ausprägungen von Psychen entstehen – z.B. die von Muttersöhnen. Er beschreibt in dieser Hinsicht die psychische Genese von – gewalttätig erzogenen – Persönlichkeiten, die Geschichte entscheidend mitbestimmt haben.)

Theweleit, Klaus (1980):

Männerphantasien 1. Frauen, fluten, körper, geschichte, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt

Theweleit, Klaus (1980):

Männerphantasien 2. Männerkörper – zur psychoanalyse des weißen terrors, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt

(Klaus Theweleit analysiert den Terror der Freikorpssoldaten nach dem Ersten Weltkrieg und damit die Psyche des soldatischen Mannes. Auf seiner Suche nach der Entstehung dieser Psyche geht er auch auf die gewalttätige und lustfeindliche Erziehung bürgerlicher Kinder im 19. Jahrhundert ein und auf technische, gesellschaftliche Veränderungen, die diese Erziehung mit bestimmen.)

Definition Gewalt

Jungnitz, Ludger/Lenz, Hans-Joachim/Puchert, Ralf/Puhe, Henry/Walter, Willi (Hg.) (2007):

Gewalt gegen Männer. Personale Gewaltwiderfahrnisse von Männern in Deutschland, Opladen & Farmington Hill: Verlag Barbara Budrich

(Die Autoren analysieren Daten zur Gewaltbetroffenheit von Männern in Deutschland anhand einer Definition von Gewalt, die sich an Orten und Kontexten von Gewalterlebnissen in Verbindung mit den Arten der ausgeübten Gewalt orientiert.)